Blühstreifen

Einst galt das Rebhuhn als der Charaktervogel der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Die ehemals kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtschaft bot dem Rebhuhn durch die vielen Feldraine, der vielfältigen Feldfrüchte und der damaligen Bewirtschaftungsformen den optimalen Lebensraum. Hohe Rebhuhnbesätze und Jagdstrecken von 60.000 Rebhühnern und mehr waren in den 1960er und 1970er Jahren in den westdeutschen Bundesländern keine Seltenheit. Heute ist dagegen das Rebhuhn in der intensiv genutzten Feldflur nur noch selten zu beobachten. Dieser Rückgang ist für das Rebhuhn, wie auch für viele andere Vogelarten der Agrarlandschaft in den letzten Jahrzehnten für Mitteleuropa festzustellen. Dagegen sind die Vogelpopulationen der Waldlebensräume in etwa konstant geblieben.

Für den Rückgang in der Agrarlandschaft wird im Wesentlichen die intensive Landwirtschaft bzw. die massiven Landnutzungsänderungen verantwortlich gemacht. Um eine Umkehr der negativen Bestandstrends zu erreichen, müssen die Instrumente für die Schaffung ökologisch wertvoller Flächen in der Agrarlandschaft verbessert und weiterentwickelt werden. Ein effektives und sinnvolles „Greening“, die bessere finanzielle Ausstattung der wertvollsten Agrarumweltmaßnahmen oder auch die Initiativen von Jägerschaften und Landkreisen Blühstreifen und Brachflächen anzulegen, sind unbedingt zu fördern. Beispielhaft sind hier Projekte des Biotop-Fonds der Jägerschaften Emsland- Grafschaft Bentheim oder der Jägerschaft Verden zu nennen. Darüber hinaus, sind aber auch Landwirte und Jäger aufgefordert, auch mit privaten Initiativen Rückzugsgebiete für die Tiere der Agrarlandschaft zu schaffen. In nationalen und internationalen Studien der letzten Jahrzehnte, wurden eine Reihe von effektiven Maßnahmen für die Agrarlandschaft entwickelt, mit denen der Rebhuhnbesatz deutlich angehoben werden kann. Neben der Anlage von mehrjährigen Blühstreifen und Bracheflächen, die unbedingt in größerem Abstand zu Waldrändern und größeren Hecken anzulegen sind, darf die Prädatorenkontrolle nicht zu kurz kommen. Vor allem zwei- oder dreijährige Blühstreifen, die auch als Rotationsbrache oder alternierende Streifen angelegt werden, schaffen zum einen Deckung und Nahrung in den Herbst- und Wintermonaten und zum anderen Brut- und Kükenaufzucht- lebensräume im Frühjahr und Frühsommer.

Vor allem in der Balz und Legephase im April und Mai benötigen Rebhuhn und Fasan deckungsreiche Habitate, in denen sie ihre Nester anlegen können. 4 Einjährige Blüh- oder Brachestreifen werden gerade in dieser Zeit umgebrochen und neu bestellt, so dass die Feldhühner auf Hecken und Grabenränder ausweichen müssen, in denen sie durch Prädatoren stark gefährdet sind. Aktuelle Telemetriestudien des ITAW weisen auf diese negativen Effekte beim Fasan hin. Dadurch können gut gemeinte Maßnahmen sehr leicht ins Gegenteil kippen. Darüber hinaus, ist für einen effektiven Rebhuhnschutz der Anteil der „naturnahen Flächen“ (Blühstreifen, Bracheflächen, einschließlich Grabenränder, Graswege etc.) in unserer Kulturlandschaft entscheidend. Deutliche Effekte auf die Rebhuhnbesätze werden erst dann erzielt, wenn solche „naturnahen Flächen“ je nach Landschaftsbild mehr als 3% – 7% der Agrarfläche einnehmen. Studien aus der Schweiz und England postulieren sogar einen Anteil von mindestens 10%. Allerdings werden diese Bemühungen für das Rebhuhn und die Vögel der Agrarlandschaft ohne eine intensive Prädatorenbejagung durch den Jäger erfolglos bleiben. Der Schutz von Rebhuhn, Fasan und der Singvögel der Agrarlandschaft in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft ist eine große Herausforderung, die nur durch eine Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten erfolgreich sein kann.

Hier finden Sie den Zwischenbricht zum Projekt aus dem Jahr 2022.

Ihr Ansprechparter für dieses Projekt

Werner Burose
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